Montag, 27. Oktober 2008

Unvernunft.

Neulich habe ich auf einem Weblog folgendes Heinrich Heine Zitat zum Thema Katholizismus gefunden, dass mich zu diesem Eintrag motiviert hat:
“Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.”

Ich bin zwar auch kein Freund des Katholizismus und finde dieses Zitat wirklich treffend, obgleich Heine hier doch einen Hang zum Masochismus offenbart. Allerdings, so denke ich, ist dieses Zitat für unsere Zeit von deutlich geringerer Bedeutung, als es noch zu Lebzeiten Heines gewesen sein mag. Wenn man es nur auf den Katholizismus bezieht. Denn heute scheint die Vernunft(= Aufklärung, Gleichberechtigung, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Toleranz, Demokratie, Rechtsstaat etc.) weniger vom Katholizismus als vom Islamismus bedroht. Weshalb es doch eigentlich angebracht wäre, sich damit auch mal auseinander zu setzten.

Gewalttätige Massenproteste gegen - z.T. wirkliche lustige - Mohammedkarikaturen von Leuten, die diese Zeichnungen unter normalen Umständen niemals gesehen hätten - Woher nehmen die eigentlich immer die Zeit und die "Verbrennflaggen" für solche Kundgebungen? Die Antwort liefert vielleicht extra3:



-, die Forderung des iranischen Präsidenten Israel auszulöschen, Morddrohungen und Verfolgung von kritischen Moslems (z.B. Salman Rushdie und Ayaan Hirsi Ali sind nur einige Tatsachen von vielen, die diese Ansicht stützen. Siehe auch den Verfassungsschutz hier. Ob Heine sein Zitat, wenn er im 21.Jahrhundert leben würde, noch einmal so sagen würde, ist mit Recht in Frage zu stellen.

Die Meinung, die dieses Zitat ausdrückt, ist m.E. zumindest in dieser Einseitigkeit ein Anachronismus im 21.Jahrhundert.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dass der Islam teilweise noch "kritikwürdiger" ist, heißt das doch nicht, dass der Katholizismus nun "vernünftiger" ist, oder?

Der Trainer hat gesagt…

Ich bin gewiss kein Theologe und ich bin gewiss kein Freund irgendwelcher Religionen (die eine lasse ich hier außen vor, da ist es vor allem die Bewunderung der Rituale und Kultur, da sind wir glaube ich, Herr Ölbaum, auch nah beieinander) - aber sind Katholizismus und Islamismus nicht die radikalen Auswüchse zweier Weltanschauungen?

Wenn ich so die Äußerungen von Benedetto betrachte, die er Richtung Ökumene zum Einen und Richtung Judentum zum anderen aussandte, weiß ich auch nicht, wessen Worte in letzter Konsequenz schlimmer sind: Die vom verrückten Präsidenten des Iran oder die des zumindest im Westen "anerkannten" Papstes.

Intellektuell liegst du mit Heine ohne Frage richtig, die Relativierung des Katholizismus karikiert dann aber deine Argumente gegen den - fanatischen - Islamismus.

Die Anhänger des Katholizismus vergessen noch heute, was ihr religiöser Fanatismus in Europa und im Mittleren Osten durch Kreuzzüge, Pogrome, Inquisition, Konkordate usw. alles verursacht hat - anders gesagt: Du würdest doch die faktische Demission von Torsten Frings mit Carsten Ramelow begründen ;)

Der Trainer hat gesagt…

Ergänzung: Zöllibat, Kondomverbote, Duldung von totalitären Regimes und die Verhinderung von Wissenschaft in allen Bereichen (siehe Veto-Recht gegen die Berufung von Professoren an theologischen Fakultäten, in den letzten zwei Jahren mehrfach angwendet) gefährden die Vernunft des Westens doch immer noch mehr als der Islamismus. Gerade weil der Katholizismus akzeptiert ist.