Dienstag, 27. Mai 2008

Fünf Stunden Blackout.

Es funktioniert.
Ich funktioniere.
Fünf Stunden lang.

Ich frage mich nicht mehr, ob der Boden, in dem mein Kaffee gepflanzt worden ist, mit dem Blut lateinamerikanischer Bauern getränkt wurde. Ich denke auch nicht darüber nach, wie viele Kindertränen man für eine Tafel Schokolade benötigt. Ich vergesse auch, dass meine Joggingschuhe eventuell von Kindern gemacht wurden. Genauso wie ich verdränge, dass ein Großteil meiner Kleidung in einem Land hergestellt worden ist, das die Menschenrechte mit Füßen tritt. Ich denke nicht darüber nach, dass der Strom, den ich verbrauche, immer noch aus Kohle-, Öl-, Gas- und Atomkraftwerken stammt. Ich weiß auch nicht mehr, dass das Ozonloch wächst und die Polkappen schmelzen. Ich bemerke nicht einmal, dass jeden Tag ca. 120 Arten aussterben. Es ist mir auch egal, dass Wale an Stränden verenden, weil ihr Orientierungssinn durch Schiffsschrauben gestört wurde oder dass sie unter dem Vorwand der Forschung immer noch gejagt werden dürfen.
In Somalia verhungern Menschen und ich weiß es nicht einmal. Sogar wenn ich lese, dass in Burma ein Volk zu Grunde geht während seine Regierung dabei zu schaut, vergesse ich es sofort wieder. Ob in China der berühmte Sack Reis umfällt oder tausende Menschen durch ein Erdbeben sterben, macht für mich keinen Unterschied.

Schmeckt der Tunfisch aus der Dose nach Delfin oder schmeckt der Delfin nur noch nach Tunfisch? Ach, was weiß ich...

Ich könnt noch so viel mehr aufzählen, was man vergisst, verdrängt und nicht an sich heran läßt. Als ob da ein Schild stehen würde mit der Aufschrift "Wir müssen draußen bleiben." Und alle halten sich dran.

Ich muss mich konzentrieren. Dabei vergesse ich diese Dinge. Fokussiere meine Aufgabe. Bin ganz das Zentrum meines eigenen Universums. Zumindest für die nächsten fünf Stunden.

Ist das schlimm? Vielleicht.
War es nötig? Ja. Zumindest für die letzten fünf Stunden.
Wird es wieder nötig sein? Naja, die nächsten fünf Stunden kommen bestimmt.